Day 76 – Travelling North …

Das erste was mir nach der langen Nachtfahrt mit dem Bus von Ho Chi Minh nach Nah Trang auffällt ist die Farbe des Himmels. Während die letzten Tage in der alten Hauptstadt Saigon der Himmel eher gräulich wirkte, erstrahlt er hier endlich blau mit vereinzelten Wolken.
Eine aufregende 8 stündige Nacht-Busfahrt mit Liegesitzen und einem Busfahrer, der seine Fahrt hauptsächlich hupend begleitete, geht zu Ende.

Mein Hostel liegt ca. 6 km von der Bushaltestelle in Nähe des Strandes von Nha Trang. Es spricht sich an der Busstation schnell herum, dass ich ein Pick up per Zweirad suche. Kurz darauf erscheint ein älter Mann und nimmt mit mir und meinem Gepäck die Fahrt auf, bahnt sich geschickt den Weg durch die Stadt und auch gegen auf der falschen Straßenseite entgegenkommenden Verkehr und bringt mich ‚safe & sound‘ zum Hostel, welches nicht gleich so einfach in dem Wirrwarr der kleinen Gassen zu finden ist.
Eine neue Geschäftsidee ist entstanden. ‚Grab‘ ein online buchbares Transportunternehmen, erkennbar an den grünen Helmen und vergleichbar mit ‚Uber‘ bekommt Konkurrenz von jedermann. Die App wird einfach auf das Handy geladen und nach den ca. Preisen geschaut, sein eigenes Auto oder Motorrad geschnappt und an frequentierte Orte auf Kundschaft gewartet. That‘s it …

Es ist erst kurz vor 8 am Morgen; genügend Zeit, sich die Stadt anzuschauen.
Auch hier scheinen sich die Menschen auf die bevorstehenden Festtage vorzubereiten. Die ganze Stadt bietet Blumen, Gestecke und bunt verpackte Geschenke und Süssigkeiten zum Kauf an.

Ganz besonders festlich wirken die von Hand golden bemalten Kokosnüsse. Die Vietnamesen bereiten sich nicht nur jetzt schon auf das größte Familienfest des Jahres vor, vergleichbar mit unserem Weihnachtsfest, es scheint, sie sind schon mitten drin. Es startet meistens Mitte Januar und kann bis zu 4 Wochen dauern, obwohl die wirklichen Festivitäten nur für eine Woche angesetzt sind. Das erklärt auch das extrem hohe Verkehrsaufkommen in den Städten und auf den Landstraßen. Die Menschen fahren jetzt bereits schon von Ho Chi Minh Richtung Norden, um ihre Familien zu besuchen.

Ein schöner Blick auf die Küste und die Stadt bekommt man von einem der umliegenden Berge.

Die Stadt scheint sich bereits auf den Tourismus vorbereitet zu haben. Es entstehen viele, neue Luxushotels aber auch Hostels, die sich um die eingeschossigen Altbauten drängen.
Leider ist Vietnam in Bezug auf Mülltrennung und der Entsorgung noch einige Jahrzehnte vom Standard entfernt. Müll wird genau dort entsorgt oder liegengelassen, wo man ihn nicht mehr benötigt. Entweder fliegt die Coladose nach dem letzten Schluck vom Bike oder Flaschen und Essensreste werden direkt neben dem Tisch auf den Boden geworfen. Plastik ist defintiv noch ein Produkt, welches hier im Sekundentakt millionenfach kurz genutzt und dann entsorgt wird; im Fluß, im Meer oder auf der Straße. Der bekannte Strand von Nha Lang ist schmutzig und genauso durch fehlendes Umweltbewusstsein bedroht. Die Strandpromenade ist aber sehr schön und lädt zum spazieren gehen ein.

Der schönste Abschnitt am Strand mit großen und vom Meer glatt geschliffenen Steinen wurde als Touristenattraktion hergerichtet. Ein Park und ein Cafe mit verschiedenen Pavillions gestaltet diesen Bereich attraktiver und verlangt dafür Eintritt.

Und mitten in der Altstadt gibt es bei der Müllentsorgung vielleicht doch noch Hoffnung. Ob Heineken die leeren Bierdosen entsorgt?

Und wie immer mag ich Kunst an Gebäuden, ganz besonders hier am ‚Chill out Café‘.

Ein langer Tag neigt sich dem Ende mit einem Abschiedsdrink auf dem Rooftop, genau dort, wo er einst begonnen hat.
